15. März 2021NKiTaG: Novellierung ja, aber nicht so!

Vor den Kitas aufgestellte Besenstiele verdeutlichen, wie viele pädagogischen Fachkräfte fehlen.

Das neue niedersächsische Kita-Gesetz ruft bei uns in den Kindertagesstätten der Lebenshilfe Syke deutliche Kritik hervor. In unseren Kindertageseinrichtungen sieht der Alltag mit den Kindern so aus:

  • Viele neue Aufgaben, wie z. B. Sprachförderung, Dokumentationen, Datenschutz, Kinderschutz, Partizipation, Resilienz, Gesundheitsförderung u. a. müssen bewältigt werden.
  • Die Unterschiedlichkeit von Familien und die individuellen Bedürfnisse aller Kinder fordern einen umsichtigen Umgang durch die Erzieher und Leitung.
  • Der extreme Fachkräftemangel führt die Mitarbeiter in den Kindertageseinrichtungen an die Grenze ihrer Belastbarkeit.

Gute Qualität in der frühkindlichen Bildung und Erziehung erfordert als Grundlage ein zeitgemäßes Kita-Gesetz. Seit 27 Jahren warten die Fachkräfte, Eltern, Kinder und Träger niedersächsischer Kitas auf die Reform des Gesetzes. Die Anforderungen für eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung haben sich inzwischen erheblich verändert. Die Herausforderungen an die Einrichtungen nehmen stetig zu.

Das neue Gesetz enthält keine der schon lange geforderten Veränderungen der Rahmenbedingungen, wie z. B. eine Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels in Kindergartengruppen und die damit verbundene Verbesserung der Arbeitsbedingungen der pädagogischen Fachkräfte. Die Situation, dass 25 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren mit unterschiedlichen Familiensprachen, Interessen, Bedürfnissen und Ressourcen ganztägig von nur zwei Fachkräften betreut und in ihrer Entwicklung gefördert werden, muss dringend verbessert werden. Diese Maßnahme ist besonders wichtig um den Fachkräftemangel entgegenzuwirken, den Arbeitsplatz wieder attraktiv zu machen, Fachkräfte zu gewinnen und auf Dauer in der Kita zu halten. Auch das Recht auf einen integrativen Kita-Platz, analog der UN-Kinderrechtskonvention Artikel 23 von 1989, fehlt. Eine inklusive Ausrichtung der Angebote der frühkindlichen Bildung ist nicht vorgesehen.

Gemeinsam mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V., unserem Spitzenverband, und dem Landesverband Lebenshilfe Niedersachsen setzen wir uns dafür ein:
Inklusion und Teilhabe von Kindern mit Beeinträchtigung voranbringen:

  • Verlässliche Aussagen und Perspektiven zur Gestaltung der Inklusion in Kindertagesstätten.
  • Wunsch- und Wahlrecht der Erziehungsberechtigten auf inklusive Bildung, Erziehung und Betreuung.
  • Flexible Strukturen wie z. B. kleinere Gruppen, damit alle Kinder zu ihrem Recht kommen können und Partizipation gelebt werden kann.

Strukturen stärken und ausbauen:

  • Deutliche Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels durch die Einführung der dritten Kraft in Kindergartengruppen und parallel dazu, die Reduzierung der Regelgruppen.
  • Den gegenwärtigen und zukünftigen Aufgaben tatsächlich gerecht werdende Verfügungs- und Leitungszeiten.
  • Sichergestellte Fortbildung und Fachberatung – gute Qualität braucht Bildung und Beratung – diese braucht Zeit und muss finanziert sein!
  • Sicherstellung der fachlichen Standards beim pädagogischen Personal.
  • Gute Ausbildungsmöglichkeiten für angehende Erzieher.

Wir fordern die Politik auf, die Novellierung des NKiTaG zu wirklich qualitativen Verbesserungen zu nutzen und sich nicht auf kostenneutrale Verwaltungsanpassungen zu beschränken. Die Bildungschancen unserer Kinder können nicht kostenneutral verwirklicht werden. Jeder Cent, den die öffentliche Hand in die Bildung investiert, lohnt sich. Denn Kinder sind unsere Zukunft!

Damit das neue Kita-Gesetz, nicht ohne die Berücksichtigung der Forderungen aus der Fachpraxis zur Qualitätsverbesserung, im Landtag verabschiedet wird, planen wir an den Aktionen des Paritätischen Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. teilzunehmen, die am 09.03.2021 gestartet sind.

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