12. Juli 2018Eine echte Rakete in Syke

Auto-/Radfahrer und Fußgänger, die an der Kreuzung B6/Ernst-Boden-Straße in Syke vorbei kommen, werden sich ab Donnerstag, den 12. Juli 2018, vielleicht verwundert die Augen reiben. Doch, doch... sie haben richtig geguckt. Dort steht auf dem Grundstück der Firma Lübber eine Rakete. Mit sechs Metern Höhe, einem Durchmesser von 50 Centimetern hat das ungewöhnliche Objekt aus glasfaserverstärktem Kunststoff mit Leichtmetallelementen schon eine beachtliche Größe. Sie wurde früher als Startrakete für Wetterballone genutzt und hat diese in eine Höhe von bis zu 36.000 Meter katapultiert, um Wetterdaten zu sammeln und zur Erde zurückzufunken. Mit Fallschirmen landen die Raketen wieder auf dem Boden.

Und wie kommt nun eine Rakete nach Syke an die Kreuzung? Enno Kastens vom Zimmerei- und Kranunternehmen Kastens hat die 400 Kilogramm schwere Rakete erstanden und der Firma Printhaus davon erzählt. Kurze Zeit später nahm die Lebenshilfe Syke Kontakt zu Printhaus auf, denn es war ein Kreativ-Wettbewerb zu "Teilhabe statt Ausgrenzung" von der Bundesvereinigung Lebenshilfe ausgeschrieben, an dem sich die Lebenshilfe Syke beteiligen wollte. Gesucht wurden interessante Objekte, die das Thema visuell darstellen bzw. symbolisieren. Renate Munder von Printhaus kam die Rakete in den Sinn. Kurzerhand wurde der Besitzer gefragt, der sich vorstellen konnte, die Rakete dafür zu nutzen. Und damit noch nicht genug. Sie wurde zu einem wichtigen Requisit im Rahmen der Tanzaufführung mit der inklusiven Tanzgruppe "Allstars", die von der ADTV-Tanzschule Augustin gemeinsam mit der Lebenshilfe Syke auf die Beine gestellt wurde. Lyas Rakete, den Namen hat sie von der Tochter des Besitzers, ging dabei im April auf eine tänzerische Reise und landete auf vielen Kontinenten und auf dem Mond. Immer mit an Bord war Lya, ein besonderes Mädchen, die anderen Menschen mit Handicap Mut machen wollte, sich zu zeigen, mitzumachen und mehr am Leben teilzunehmen. Über allem steht die Botschaft "Es ist normal, verschieden zu sein." Möglicherweise wird die Aufführung im Herbst noch einmal zu sehen sein.

"Die Rakete ist (noch) ein seltenes Fortbewegungsmittel, kaum jemand ist damit vertraut und kennt sich damit aus. Sie symbolisiert für uns das Ungewöhnliche/Besondere. Es bedarf Mut, sich auf eine Reise mit ihr einzulassen. Auch Offenheit und Vertrauen (in sich und andere) sind wichtige Faktoren. Denn es gibt viele Fragen: Was erwartet einen während des Flugs, was passiert, wenn man fremdes Terrain betritt? Wie verhalte ich mich, wenn ich auf jemanden treffe, dessen Sprache und Gesten ich nicht verstehe? Fühle ich mich wohl in der Situation? Aber wenn man sich auf etwas Neues einlässt, gibt es viele, tolle und unerwartete Erfahrungen und Momente, die das Leben prägen", beschreibt Anja Schulz, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Lebenshilfe Syke, warum die Rakete als Objekt für den Wettbewerb gewählt wurde. "Wir erleben immer noch, dass die besonderen Menschen gern mitten in der Gesellschaft leben und an ihr teilhaben möchten. Das ist nicht immer leicht, weil "normale" Menschen sie nicht akzeptieren, wie sie sind und ihnen möglicherweise ab und an nicht so viel zutrauen. Oder weil sie vielleicht unsicher im Umgang miteinander sind. Wir möchten mit der Rakete darauf hinweisen, dass es gut ist, sich ab und an auf etwas einzulassen, was zunächst erst einmal ungewöhnlich oder fremd erscheint, aber völlig neue Blickwinkel und -richtungen eröffnet. Es ist gut, sich offen gegenüber neuen Dingen und Menschen zu zeigen. Begegnungen und ein Miteinander bereichern das Leben. Jeder sollte sich selbst die Chance geben, diese Erfahrungen machen zu können."

Den Aufbau führte die Firma Industriemontage Behrens aus Syke durch. Heiko und Matthias Behrens an dieser Stelle herzlichen Dank für die Unterstützung. Die Rakete wird für einige Monate dort ihren Platz haben.

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